29.11.2010

Schicht im Schacht mit Daniel Schuhmacher... A glory night in Oberhausen

Okay. Ich bin ein Nach-der-Vorband-Kommer, Hintensteher, Armeverschränker, Kopfnicker. Zum Party machen geh ich auf ne Party, zum Trinken in die Kneipe, zum Gröhlen ins Stadion und zum Kreischen... aber lassen wir das. Auf einem Konzert will ich einfach nur dastehen und hinhören.

Bei einem Daniel-Schuhmacher-Konzert ist man als Armeverschränker ganz schön einsam. Man sieht vor sich all die Leuchtstäbe und die Lichter der 100 Kameras, die jede Bewegung auf der Bühne mitfilmen, all die tanzenden Mädels, die singen und feiern, die plakatschwenkenden kleinen Kids auf den Schultern der Väter, man hört die Leute in der ersten Reihe Silbermonds "Das Beste" singen für Daniel... ab und an blickt man rüber zu einem der anderen coolen Hintensteher und Armeverschränker, meist männlich; man nickt sich zu...

Um es kurz zu machen: Auf einem Daniel-Schuhmacher-Konzert kann man Party machen ohne Ende, sich weinend in den Armen liegen, Bierchen trinken, in einer langen Reihe Sirtaki tanzen... man kann aber auch einfach dastehen und zuhören - und das Konzert genauso genießen wie die party people. Und das liegt daran, dass Daniel Schuhmacher so ein phantastischer Sänger und Musiker ist, von einer phantastischen Band begleitet wird und mit ihr phantastische Songs zum Besten gibt. Hey, what a night.

Dass der Mann in zwei Stunden fast so viele Kostümwechsel schafft wie Beyoncé (Rapper-Kapuze, Plain Cap, fluoreszierendes Flammen-Shirt zu "Running through the fire", Militärjacke, Indie-Klampfenrock-Hemd...), charmant mit seinem Publikum plaudert ("Ich hab die Haare schön? Nee, heute nicht, denn hier gibts keinen Fön...") und kurz vor Schluss sogar eine kleine Salsa-Einlage hinlegt... das ist für uns Armeverschränker in der letzten Reihe fast Nebensache. Was uns umhaut an diesem Abend in Oberhausen ist diese pure Musikalität, die da von der kleinen Schacht-1-Bühne ins zahlreich erschienene Publikum schwallt.

Wir kriegen an diesem Akustik-Abend - lasst mich nicht lügen - ungefähr zehn verschiedene Musikstile zu hören (Pop, Electro, Blues, Jazz, Folk...), und alles klingt absolut authentisch und nie aufgesetzt. Die Songs von "Nothing to lose" hat Daniels herausragende Band zum Teil neu arrangiert, und alles klingt so leicht und stimmig... 

Die Höhepunkte des Abends sind neben der Swing-Jazz-Version von "If it's love" (die bewirkt, dass man sich Daniel plötzlich sehr gut im Smoking vorstellen kann - okay, mit T-Shirt drunter), dem in die Reggae-Version hinübergleitenden "Honestly" und einem sehr coolen "Feel" (in das Daniel augenzwinkernd die Anfangszeilen der "Anything but love"-Strophen eingebaut hat, wie eine gutmütige Reminiszenz an längst vergangene Zeiten und die einzige winzige Spur des alten Albums weit und breit an diesem Abend)... die Höhepunkte sind  dennoch die Cover und vor allem die selbstgeschriebenen Perlen... "Commander", im Original von Kelly Rowland, ist einfach ein Burner, und der Mann neben mir, den ich mitgeschleppt habe, eigentlich wie ich ein Armeverschränker, lässt sich zu Joe-Cocker-artigen Bewegungen hinreißen, ähnlich wie bei Daniels eigenem Dancefloor-Kracher mit dem äußerst passenden Titel  "Dancefloor".  Und "Touch me", das zweite selbstgeschriebene Stück an diesem Abend, ist einfach ein toller Popsong...

Aller Raise-your-glass-Stimmung zum Trotz sind die beiden gefühlvollsten Momente gleichzeitig die Momente dieses Abends, die man nie vergessen wird. Wie genial Daniel Kelly Clarksons "Irvine" heraushaucht, das reißt auch dem coolsten Konzertbesucher das Herz aus der Brust. Es ist einer von diesen "fremden" Songs, die der Mann sich vollkommen zu eigen macht und in denen er sich so wohl und so geborgen zu fühlen scheint wie in einem Lieblingspullover. Can you feel how cold I am? Do you cry as I do? Are you lonely up there all by yourself? Einer dieser Kloß-im-Hals-Augenblicke, an die man sich ewig erinnern wird...


Und fast zum Schluss dann "Your revenge", und der Blues darin zerrt einem noch mehr an den Eingeweiden. Solange dieser Song nicht "auf Platte gepresst" wurde, dürfen wir nicht ruhen! Die Stuttgart-21-Demos haben es vorgemacht, Volkes Stimme zählt, lasst uns auf die Straße gehen dafür :D  

Weil wir zwei so cool sind, gehen wir vor der letzten Zugabe.. egal, es gibt ja Youtube. Was von diesem Tage übrig bleibt, ist ein neu bekehrter Fan und die absolute Gewissheit, dass Daniel Schuhmacher + Band in dieser Form vor jedem Publikum der Welt bestehen könnten. Und es lohnt sich so sehr, Fan zu sein.

 

Kommentare:

  1. ja ich schreib immer wieder gerne: er würde sie alle kriegen.;)

    es war einfach nur WOW

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  2. Danke für diesen wundervollen Bericht, ich werde heute in Mannheim dabei sein und freue mich sehr!
    Dabei zu sein ist wirklich ein kostbares Geschenk, denn die Gefühle, die Daniel mit seiner Art zu singen transportiert sind einmalig und unvergesslich ! Ich war in meinem Leben schon auf vielen Konzerten und habe schon viele "große" gesehen, aber ich kann wirklich sagen, das ein Daniel Schuhmacher Konzert zu den spannendsten und aufregendsten gehört !

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  3. Hatte was von Kindergeburtstag...

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  4. Ich war auch da und es war groß. Die auf der Bühne gestanden sind platzen alle vor Talent, Daniel allen voran.

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  5. Ich freue mich immer wieder über so schöne Berichte von den Konzerten Daniels.
    So viel leichter Humor und doch so sachlich, danke dafür.
    Ich denke auch, Daniel übertrifft sich ständig selbst. Seine Vielfalt ist einzigartig.

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  6. Danke, für den tollen Bericht der Armeverschränkerin:)
    Ist immer wieder super zu lesen und zu hören wie sehr so ein Konzert mit Daniel Menschen berührt!

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  7. Aaaalsoooo, Schacht 1 ist immer noch eine alte Fabrikhalle und immer noch ausgelegt auf 550 Besucher.
    Ist ja schon fast mein zweites Wohnzimmer. Der Chef meinte noch zu mir, dass sie schon um 14 Uhr aufmachen mussten, weil die Kinder schon alle in der Kälte standen.

    Ich schätze so 150 Personen waren dort, viele Kinder, also kann man mal 50 „Eltern“ abziehen die im Hintergrund rumdümpelten. Das war mein erstes Konzert eines Teenie-Schwarms, war eine interessante Erfahrung. Vorne also die geballte, begeisterte Teenie-Fraktion und am Rand auf einer Balustrade so ca. 8-10 kleine Kinder ca. 8 Jahre alt, das war interessant zu beobachten, dass die sehr gelangweilt waren, die wollten den Star aus dem Fernsehen sehen und konnten mit dem Konzert nichts anfangen, sie wollten ihr Idol sehen, aber das Konzert hat sie überfordert.

    Aber es gab auch noch einige andere Frauen, ich war nicht zu alt, „schweißabwisch* einige wenige Männer waren da, Väter halt.

    So.... jetzt zum Konzert, gut war das. Die Musik gefällt mir, wusste ich ja schon, ich habe ja schon einige Sachen runter geladen. Er hat gut gesungen , gute Songauswahl , er hat auf dem neuen Album wirklich gute Lieder, die Stimmung war gut, es wurde zugehört und dann begeistert geklatscht. Kein Kreischalarm, wie ich befürchtet hatte.
    Daniel ist nun mal keine starke Persönlichkeit, man merkt deutlich, dass er den Star spielt, aber da ist Potential. Er singt gut und auch mit Gefühl, es fehlt aber die Leidenschaft, dass er mal aus sich herausgeht, die Sau rauslässt.
    Daniel Schuhmacher ist noch nicht Teil der Band, er steht davor und singt, …..singt gut, keine Frage

    Am aller, aller, allerschlimmsten ist seine Moderation, dass ist sicher entstanden, weil sein Publikum überwiegend aus Kindern besteht, …………ok, ich geb zu ich habe sowieso Probleme mit seiner Stimme, aber hier hat er immer mit so einer „Kleinkinderstimme gesprochen, *pipsstimmenachmach* ..“soll ich das Geschenk jetzt auspacken“ …“oh das ist aber schön“….“wollt ihr noch ein Lied hören“…usw….DAS MUSS ER SICH UNBEDINGT ABGEWÖHNEN !!!! wenn er auch mal von den Großen akzeptiert werden will.

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  8. @anonym über mir: Es ist immer auch eine Frage der Sichtweise - ist das Glas halb voll oder ist es halb leer. Man darf nicht vergessen, dass Daniel einen ziemlichen Spagat hinlegen muss zwischen den Wünschen seiner jüngeren Fans und den Ansprüchen der Älteren, zu denen du ja wohl auch gehörst. Es wird niemand behaupten, dass Daniel sich nicht an der einen oder anderen Stelle noch entwickeln muss und sicher auch kann, aber was er und die Band in den Clubkonzerten musikalisch abgeliefert haben, muss man einfach mal anerkennen. Deswegen kann ich in dem Blog jedes Wort unterschreiben und für mich ist das Glas ganz klar mindestens halb voll - Tendenz steigend!

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  9. Hallo Nach-der-Vorband-Kommer,Hintensteher,Armverschränker und Kopfnicker, Du hast den Nagel voll auf den Kopf getroffen.Ich habe Daniel im Berliner Frannz-Club am 13.11 live erlebt, das war ein Hochgenuss, seine Band und er haben den Club gerockt,es war eine sehr heiße Musikstimmung.Ich hoffe nur es werden noch mehr männliche Wesen seine Songs für gut befinden, denn der Junge hat wirkilch Musik im Blut.

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  10. Also ich habe jetzt 3 Konzerte besucht und jedes war ganz speziel und anders.DANIELS Vielseitigkeit finde ich so toll.Ich lasse mich gerne von ihm immer und immer wieder überaschen.Es macht mir einfach Spaß ihm und seiner Band zuzuhören und zuzusehen.
    WAN GEHT ES WEITER MIT DIESEN TOLLEN KONZERTEN?

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